Aus dem Jahr 2018

Zwischenbilanz - Das Kurhaus Balmberg bleibt mittelfristig eine Flüchtlingsunterkunft

 

Das Kurhaus Balmberg mit 100 Plätzen für Flüchtlinge ist derzeit zur Hälfte gefüllt. Die Zukunft der Unterkunft ist ungewiss. Die Gemeindepräsidenten von Balm bei Günsberg und Günsberg ziehen eine positive Zwischenbilanz.

Der Flüchtlingsstrom wurde eingedämmt. Die Zahl der Flüchtlinge, die die Schweiz erreichen, ist zurückgegangen. Damit gehen auch die Belegungszahlen in den kantonalen Durchgangszentren zurück. Im Kurhaus auf dem Balmberg sind aktuell (Stand 14. März) 51 Personen einquartiert. Das Kurhaus mit 100 Plätzen ist zur Hälfte gefüllt. Nebenan im ehemaligen Bildungszentrum sind von den 50 Plätzen deren 41 besetzt. Die Liste der Nationen im Kurhaus reicht von «Unbekannt bis Afghanistan», erklärt David Kummer vom Amt für soziale Sicherheit. Syrer wohnen nur wenige im Kurhaus. Die meisten kommen aus Afghanistan und Äthiopien (je 6 Personen), aus Sri Lanka (5) oder Eritrea und Ägypten.

Zur Zukunft des Kurhauses kann David Kummer noch wenig sagen. Eine grosse Änderung ergebe sich mit der Einführung der beschleunigten Asylverfahrens im Frühjahr 2019. Ab diesem Zeitpunkt werden die Verfahren in Zentren des Bundes durchgeführt und neu dezentralisiert in sechs Asylregionen stattfinden. Die Neuausrichtung des Asylwesens werde dazu führen, dass die Kantone deutlich entlastet würden, da ihnen in der Regel nur noch Menschen mit einem Bleiberecht zugewiesen werden.

Hier taucht mit dem geplanten Ausreisezentrum auch Flumenthal auf der Schweizer Landkarte der neuen Bundeszentren auf, was letztlich auch einen Einfluss auf die künftigen Flüchtlingszahlen im Kanton Solothurn haben wird. «Mit der Kompensation wegen des Bundeszentrums im Deitinger Schachen werden dem Kanton Solothurn im neuen System zusätzlich noch weniger Flüchtlinge zugewiesen.» Gestützt auf Modellrechnungen des Bundes plane man beim Kanton, wie künftig die Unterbringung der Flüchtlinge gestaltet werden soll.

 

«Keine grossen Nachteile»

Hautnah erleben die Betreiber des Seminar- und Ferienhauses Tannenheim den Betrieb im Kurhaus und im ehemaligen Bildungsheim. Ernst Ryf Bucheli erklärt, dass er wegen der Flüchtlinge keine grossen Nachteile erfahre. «Im Gegenteil. Manchmal ergeben sich Begegnungen zwischen unseren Gästen und den Flüchtlingen.» So seien auch schon Flüchtlinge spontan zu Anlässen oder Festen im Tannenheim eingeladen worden. Grosse Probleme habe er keine und kleine löse er im direkten Gespräch.

Fragen an die Gemeindepräsidien

 

Welche Erfahrungen haben Sie seit dem Start der Flüchtlingsunterkunft im Kurhaus gemacht?

Pascale von Roll, Gemeindepräsidentin von Balm bei Günsberg

Wichtig war die Einsetzung der Begleitgruppe. In der Begleitgruppe nahmen nebst dem Kanton, der ORS (die Betreuungsorganisation), den Gemeinden und der Polizei auch die Nachbarn und die Tourismusakteure Einsitz. Es hat sich bewährt, dass Probleme am runden Tisch direkt mit den betroffenen Personen angesprochen wurden. Auch die Zusammenarbeit mit dem Kanton war für die Gemeinde immer konstruktiv.

Persönlich hat es mich sehr gefreut, dass es dank der guten und pragmatischen Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich wurde, das Bistro im Kurhaus die zweite Saison in Betrieb zu nehmen. Dadurch konnten sich die Wintersportler in den letzten Wochen wieder im Kurhaus verpflegen, aufwärmen und die Toiletten benutzen.

Thomas Jenni, Gemeindepräsident von Günsberg

Die Begleitgruppe hat sich sehr bewährt. So hat man schnell erkannt, wer für was zuständig ist. Grosse Probleme haben sich nicht ergeben, kleinere Probleme konnten mit einem Telefongespräch einfach und unbürokratisch erledigt werden.

Wie hat sich die Situation in der Gemeinde entwickelt?

Pascale von Roll, Gemeindepräsidentin von Balm bei Günsberg

Das Nebeneinander hat sich eingespielt, und das Asylheim ist grundsätzlich kaum ein Thema. Viele der anfänglichen Ängste und Befürchtungen sind nicht eingetreten. Wenn es Probleme gibt, werden diese angesprochen, und es wird eine Lösung gesucht. Alle Involvierten arbeiten sehr konstruktiv, pragmatisch und offen zusammen. Dies schätze ich persönlich sehr. Seit der Inbetriebnahme hat sich die Situation im Asylbereich stark verändert. In den ersten Monaten wurden, wie vom Kanton an der Informationsveranstaltung kommuniziert, vorwiegend Familien mit Kindern im Kurhaus untergebracht. Zur Zeit kommen weniger Familien in die Schweiz, und im Kurhaus sind dadurch mehr Alleinreisende untergebracht. Diese Änderung entgegen der ursprünglichen Kommunikation und im Zusammenhang mit den teilweise negativen Erfahrungen mit den Bewohnern des Bildungsheims – seit Jahren sind im Bildungsheim grösstenteils allein reisende und abgewiesene Männer, Nothilfebezüger vom Kanton untergebracht – hat schon zu Missmut geführt. Die Anwohner fühlen sich nicht ernstgenommen. Für die Gemeinde ist es weiterhin zentral, dass für die im Bildungsheim untergebrachten Personen (Nothilfebezüger) eine neue Lösung gefunden wird. Der Kanton hat uns im Sommer 2017 zugesichert, dass die künftige Unterbringung der Nothilfebezüger in Rahmen der kurz – und mittelfristigen Unterkunftsplanung im Asylbereich geklärt und ein Ersatz für das Bildungsheim gesucht wird.

Thomas Jenni, Gemeindepräsident von Günsberg

Das Nebeneinander hat sich auch bei uns gut eingespielt. Die Ängste und Befürchtungen, welche zu Beginn vorgebracht wurden, sind allesamt nicht eingetreten. Das Asylheim ist im Dorf kein grosses Thema. Anfragen der Bevölkerung kamen keine zu mir. Da wir immer die Informationen auf unserer Website publik gemacht haben, konnte sich die Bevölkerung stets informieren. Meiner Ansicht nach ist eine gute Kommunikation (offen und transparent) das Wichtigste. Die Aussage von Pascale von Roll möchte ich ebenfalls unterstützen. Die Situation im Asylbereich hat sich stark verändert, seit das Kurhaus in Betrieb genommen wurde. Dass nun vermehrt Alleinreisende im Kurhaus untergebracht werden, hat schon zu Missmut geführt. Wir Günsberger fühlen uns da nicht ganz ernst genommen. Mit den Familien im Kurhaus gab es ja kaum Probleme.

Hingegen gaben halt die Alleinreisenden, die abgewiesenen Männer wie auch die Nothilfebezüger im Bildungsheim schon immer wieder Anlass zu Reklamationen. Nicht selten gab es auch Zwischenfälle im Postauto.

Für die Gemeinde Günsberg ist es ebenfalls sehr zentral, dass für die Personen, welche im Bildungsheim untergebracht sind, eine neue Lösung gefunden wird. Das hat uns der Kanton im Sommer 2017 versprochen. Die Unterbringung dieser Personen sei in der kurz- und mittelfristigen Planung ein Thema und werde neu geklärt. Ein Ersatz werde gesucht.

Sind die Flüchtlinge auf dem Balmberg noch ein Thema im Dorf?

Pascale von Roll, Gemeindepräsidentin von Balm bei Günsberg

Im Dorf Balm sind die Flüchtlinge kein Thema. Die Distanz zum Balmberg ist zu gross. Auf dem Balmberg selbst, insbesondere bei den direkten Nachbarn, sind die Flüchtlinge durch das tägliche Nebeneinander natürlich Thema. Grundsätzlich gibt es wenig Probleme. Je nach Saison ist es wichtig, dass Gespräche zwischen den Verantwortlichen und den Nachbarn stattfinden und Regeln definiert und vermittelt werden. Wenn beispielsweise im Frühling die Bewohner des Kurhauses den Bauern aus Unwissen oder Unachtsamkeit das hohe Gras niedertreten, führt dies verständlicherweise zu Unmut.

Thomas Jenni, Gemeindepräsident von Günsberg

Im Dorf sind die Flüchtlinge schon ein Thema. Wir nehmen die Personen stark wahr. Dies natürlich wegen der Postautostrecke, welche durch unser Dorf führt. Auf dem «Postplatz» sind die Asylsuchende täglich präsent. Grundsätzlich gibt es nicht grosse Probleme, oder sie können mit einem Gespräch mit der ORS schnell erledigt werden.

Solothurner Zeitung, 21.03.2018

 

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