| Der
Balmrys
S Chrüz bi de Ruine Balm
Der Königssitz ufem Balmfluechöpfli
Hedwig vo Hopperste
S Heereloch und der Rotsheer
S Scheidwägechrüz
Der Senn ufem Chrütlibärg
Der Balmrys
Balm Leberberg Wasseramt
Quelle: Elisabeth Pfluger, Solothurner Geschichten, 2
Wär z Fuess oder uf Redere
der ober Läberbärg ab chund, gseht bim Balmfluechöpfli
s versteinerede Gsicht vomene wunderlige, alte Maa. Massleidig
loot er der Ungerchifel hange und luegt gäge der Innerschwyz
zue. Das isch der Balmrys.
I der Urzyt hei i euser Gäged Rysefamilene gwohnt im Jura,
i de Voralpe und Alpe. Wies eso goht, hei si mithine öppis
z chifle gha zäme. Bsungers der Pilatusrys isch e donners
Guferi gsi. Er heds nit chöne lo sy, d Jurawand als Zylschybe
z bruuche und Stei dranübere z bänggle. Nit vergäbe
ligge die vilen erratische Blöck no hüt uf der Südflangge
vo eusem Bärg.
Nume für der elter Balmrys z ergere, isch der Pilatusser
einisch mideme Mordiostei derhär choo. Dermit hed er alli
schöne Gipfel vo der Jurachetti welle cho verbopple und
obenab schloo. Em Balmer isch d Gallen überloffe. Gleitig
isch er hingevüre choo und hed disem es Bei gstellt. Dä
isch gstürchled und hed si Mocke müese lo gheie. Woner
ne wider ufgnoo hed, gid em der Balmrys tiflg no einisch e Gingg
i Chneuäcke, ass der Pilatusser wider überstöckled.
Jetz isch gnue Heu dunge gsi! Der Pilatusrys stellt si Steimocken
usem Wäg, litzt d Ermel hingere und goht uf dise ztorf.
Das hed e Hoselupf gee! E Rung ischs hin und här gange.
Beed Ryse hei gchyched und bäärzed, gmorggsed und
gspeiched. Plötzlig hed der Pilatusser euse Balmer möge
höch nee, und mideme gleitige Ruck hed er en ufe Rüggen
a Bode gschlungge. Der Balmrys isch blybe ligge. Stober hed
er gluegt, wie dise sine Bärge zue gstofled isch. No hüt
lyt der rumpelsurig Balmer dört. I sir Täubi isch
er versteinered worde.
Der Felsechlumpe, wo der Pilatusser hed lo ligge, chamen ufem
Steihof no eisder go aluege. Wenn men au vill dervo abgsprängt
hed, so ischs enewäg no ne Rysemocke. Di beede Duele, wos
gee hed, wone der Pilatusser hed lo gheie, si mit Wasser vollgloffe.
Mir säge ne hüt Burgäschisee und Bolkesee.
S Chrüz bi de Ruine
Balm
Balm Niederwil Günsberg
Quelle: Elisabeth Pfluger, Solothurner
Geschichten, 168
Amene heisse Summertag 1860 si
drü Ufschützligmeitschi vo Niderwil zäme id Impeeri.
Über d Flueweid sy si ufd Felsen über der Ruine Balm
gstige, wills dört eisder di schönste Beeri gha hed.
D Meitschi hei gjutzged, wo si i die schöne Hürst
choo si, und der jung Morand im Steibrooch nide hed ne Antwort
gee.
Si hei yfrig beereled. Do ziet s Sperisen Urseli sis Naselümpli
usem Fürtechsack. Derby rütscht em s Gäldseckeli
use und schlifered ufem dööre Laub durab. S Urseli
hed gmeint, es chönn das Portmeneeli nume nee. Aber do
rütscht unger sim Fuess e broosmige Stei, äs fallt
und schlittled dur ne Chlack abe. Satt überem Abgrund heds
esi no mit eir Hang amene Stüdeli, mit der angere am Gras
chöne achlammere.
Sini zwoo Fründine sinem z Hilf choo, aber si heis nit
mögen erlänge. Do hei si um Hilf ghooped. Die Manne
usem Steibrooch si weidli cho z springe, aber wie häde
si chönne hälfe? Der jung Morand isch i de Sätze
uf Balm abe grönnt go Alarm schloo und Dechene und Leitere
reiche. Disi si bim Urseli blibe und heinem Muet zuegsproche.
Nangernoo si vo Balm ungenufe Manne mit Leitere, Seili und Dechene
derhär choo. Scho vo wytem hei si grüeft: «Urseli,
mir chöme! Heb di nume fest! Bruuchsch ekei Angst z haa,
mir hälfe dr! Mir reiche di! Heb di nume guet!» Aber
ufsmol isch s Urseli doch wytergrütscht. Äb syni Retter
nooch gnue gsi si, fürs i de Dechene ufzfoo, ischs über
di höchi Felswand uus trooled. Es paar Minute druuf ischs
tot gsi. Alls i de drü Dörfer und im ganze Läberbärg
hed Beduure gha mit däm liebe, lustige Meitschi und syne
Eltere, ein Johann Josef und der Madlee Sperise-Brotschi. Die
Famili isch z Niederwil am Balmströössli gwohnt, im
letschte Huus linggerhang.
A der Unglückstell hed me derno ne Dänkstei häretoo.
Druff isch ygmeissled gsi: Hier verunglückte am 8. August
1860 durch Sturz über diese Felswand Ursula Sperisen von
Niederwil, Alter 17 Jahre.
Aber settigi, wo i der Samstignacht ufd Röti si go der
Sunnenufgang luege, hei ufem Heiwäg, wo si gnue ghabered
gha hei, dä Stei blödsinnig verschlage. Spöter
hed me do em Urseli sis Grabsteinli midem schmidysige Chrüzli
druff als Dänkmol häretoo. Aber au da das isch verbogen
und kaputtgmacht worde. Jetz hed der rüerig Burgverein
Balm wider e Sockel mit der alten Inschrift und eme schön
gmeisslede Chrüz lo häretue. Das isch am 10. Dezämber
1983 vom Pfaarer vo Günschberg ygsägnet worde.
Der Königssitz ufem
Balmfluechöpfli
Balm Niederwil Günsberg Flumenthal
Solothurn
Quelle: Elisabeth Pfluger, Solothurner
Sagen, 1
Ne Gerlafinger verzellt die Saag,
winer sen albe vo sir Niderwiler Grossmueter hed kööre
brichte: Vor öppe tusig Johre hed euses Land zum Königrrich
Burgund köört. Der König hed im Stedtli Soledurn
ufem höchste Punkt sis Schloss gha. Einisch oder zweunisch
im Johr isch er härechoo und hed vo der Pfalz uus d Regierigsgschäft
vo däm Landesteil bsorged.
Einisch, wo der Burgunderkönig wider z Soledurn regänted
hed, ischs en achoo, er wed ufs Balmfluechöpfli styge und
vo dört us über sis Land ine und d Ostgränzen
use luege. Däi Zit isch aber s Bärgstyge noni i der
Mode gsi. Drum hei alli Minister und Damen und Heeren am Hof
der Chopf gschüttled und en Himel und Höll vorgstellt,
wi gfohrlig as das sig und winer sis Läbe nid däwäg
dörf anes Fäädeli hänke. Aber e König
weer ekei König, wenn er nid öppedie der Chifel stellti
und seiti: «Doo dure muess! I wotts haa!» Er hed
also i der Gäged lo ustrompeete, gäge nes guets Trinkgäld
suech er eine, wonem Wäg und Stäg vertroued sige,
und wo ihn sicher uf das Felsechöpfli ufe und widerzrugg
füeri. Ihnere drei hei si für dä Dienst gmäldet:
E Jeger vo Günschberg, e Buur vo Flumetal und der Niderwiler
Geisshirt. Der König hed e jede gfrogt, was für ne
Lohn as er begähri. «En Armbrust wo nie fehlt!»
hed der Jeger weidli gseit. «Guet!» hed der König
gmacht, «du darfsch der i mine Züghüsere, zänt
im Land ume, di besti usläse und usprobiere.» Der
Buur hed si ne Rung bsunne und do gwünscht: «I häd
gärn der grösst, feissist und gschäggedst Muni
usem Oberland.» «Yverstange!» hed der König
glached, «du darfsch der ne au sälber go ussueche,
wenn mer umechöme.» Der Geisshirt aber hed gseit:
«Herr König, i bi so arm as Gott erbarm! I ha weder
Vatter no Mueter, weder Brüeder no Schwester, überhaupt
uf der ganze Wält ekei barmhärzigi Seel, womer im
Läben öppis dernoofrogt. Drum möchti, as wenigstens
nom Tod no öpper ami dänkt und für mi bätted.
I wünsche, as drü Johr lang all Tag für mi armi
Seel e heiligi Mäss gfyred wird.» «Eh, wär
wird wöllen as Stärbe dänke, wenn me so jung
isch wi du, busper und im erste Saft! Aber mira; du söllsch
di Wille haa, so wohl as disi zwee», hed der König
gseit.
Am abgmachte Tag isch der König uf Günschberg itte
und vo dört ewägg zfuess mid sine drei Tratbante loszoge.
Gly isch der Fuesswäg stotzig worde. Do isch der Geissbueb
voruus, denn isch der Jeger choo, druf der König und zhingerst
der Flumetalerbuur. Dä hed eisder e grösseren Abstang
gmacht zu disne, hed gschwitzt und gchyched, burzed und bärzed
und nümme noomöge. Wo der König einisch umeluegt,
gseht er grad, wi der Buur im Verschmeukte wod umchehre und
abschliche. «He nu so de!» hed er em noo grüeft,
«aber di schön, gschägged Simmetalermuni chausch
de deheime is Chemi schribe!»
Der Wäg isch jetz i dene broosmige Felsen und Chrächen
eisder wi gchutzliger worde. Eigentlig ischs gar ekei Wäg
gsi. Der widleich Geissbueb mit sine Barfisfüessig hed
eifach pfadet, wos en am sicherste dunkt hed. Do rütscht
im Jeger ungerem Schue ne gwaggelige Stei ewäg, er stülpered,
si Armbrust stellt em der Hooggen und er fallt, fallt is Leeren
use und trooled mängs, mängs Chlofter teuf ztod.
Im König ischs gschmuecht worden und er hed müesen
abhocke. Der Geisshirt isch weidli zuenem, hed en ghaa und gstützt,
as er nid au no s Übergwicht überchoo hed uf däm
schmale Felserippi obe. Erst nach langem hed si der König
wider erbchymt und ernuefered. Do hed er, soo nooch ungerem
Felsegupf, doch nid wöllen umchehre.
Schritt für Schritt hed der Bueb 'gsichered, hed en fürsi
und obsig gfüert; bis si ufs Balmfluechöpfli choo
si. Es isch e klare Föhntag gsi, midere Rundsieht, schöner
nützti nüt. Der König isch uf der Felsechanzle
ghocked und hed nid gnue chöne luegen uf das ganze, wyte,
herrlige Land, ygrahmed vo der Schneebärgechetti. «Vo
hüt aa söll die Flue der Name Königssitz träge!»
hed er gseit. «Und der ganz Bärg söll my Name
haa, will i der erst König bi, und vilicht der einzig,
wo si Fuess dohäre gsetzt hed. Dir aber, Bueb, wodi weder
im Läbe no im Tod vergässe, as du mi so guet dohäre
brocht hesch.» Nocheme Rung hei se si wider ufe Heiwäg
gmacht. Uber grütschigi Stei und a geeche Fluekante verby
hed der Niderwilerbueb si König süferli nidsig gfüert,
bis zumene schöne Sunnebödeli. Dört, wo d Gfohr
überstange gsi isch, hed der König begährt, no
nes Wyli z verschnufe, äb si wider is Dorf abe und ungerd
Lüt chöme. Wose si im Gras wei sädle, tued der
Bueb e mörderlige Göiss. E giftigi Juravipere hed
en i si eint blutt Fuess bisse. Wyt und breit isch kei Hilf
umewäg gsi und der vergelstered König hed ekei Hochschyn
gha, winer däm arme Bueb, wo totebleich und schlumpelig
worden isch, chönt hälfe. Ewäggträge hed
er ne nid möge, müed und mucht winer sälber gsi
isch, drum hed er ne lo sy und isch Günschberg zue ghasted,
so weidli as ne d Füess treit hei. Die Lüt, won er
um Hilf usgschickt hed, hei der tot Geisshirt und der tot Jeger
is Dorf zrugg treit. Der König aber isch ganz verstöbered
uf Solodurn zrugg i sis Schloss gritte.
Nach es paar Tage, woner si vom Schreck erbchymt gha hed, isch
ein der Lohn i Sinn choo, woner im tote Geisshirt schuldig gsi
isch. Er hed afo wärweise, und wi meh as er sini Gedanke
hin und här trööled hed , desto lätzer heds
en dunkt, soo vill Gäld uszgee für öppis, wo
weder Häng no Füess heig. «Soo ne guete, brave
Bueb», hed er gsinned, «chunnd gwüss vom Muul
uf i Himel, ohni as me no mid guete Wärche mues nochebessere.
Und denn: drü mol drühundertfeufesächzg Tag und
alimol zwee Batze, woni derfür im Kaplan müesst gee,
das meech jo fast 2200 Batze. Wäm treiti das öppis
ab? I mues mers ömel no einisch lo dure Chopf goo .»
Soo hed der König sis Verspräche z halte usegstüdeled,
isch abgreist und heds vergässe. Aber d Lüt im Land
heinem sy Untreui nid vergässe. Niemer hed im Balmfluechöpfli
einisch Königssitz gseit, wien ärs hed welle haa,
und niemer hed der Balmflue einisch sy Name gee. Drum isch der
Name vo däm untreue König i Vergäss choo, und
ume d Saag vonem isch vörblibe.
Hedwig vo Hopperste
Balm Hubersdorf
Quelle: Elisabeth Pfluger, Solothurner
Sagen, 2
Me hed bis jetz no kei Urkunde
gfunge, wo öppis drin stoht vo den Edle vo Hopperste. Aber
im Läberbärg und Bipperamt hed früener niemer
draa zwyfled, as ufem Gupf über der Scharle und der Siggeren
albe s Schloss vo de Heere vo Hopperste gstange sig.
Zunere Zit isch im Schlössli z Hopperste nes einzigs Ching
ufgwachse, nes hübsches, fyns Töchterli. Zum Glück
isch aber bi de Nochberen uf der Burg Balm ähne ne Bueb
gsi, ungfohr vom glichen Alter. So hed das Hedwig e Gspane gha
am Heinrich. Das nuefere, gchäferige Meitschi und dä
ufgweckt, gleichig Bueb si ananger ghanged, wi wenn si Zwillingsgschwüsterdi
weere. Der Heinrich vo Balm isch aber scho gly id Fröndi
ane Fürstehof choo, für alls z lehre, was imene Junker
und Ritter wohl astoht. Derwile hed s Hedwig vo Hopperste churz
nachnanger d Mueter und der Vatter verlore. Das rangschierte
Meitschi hed probiert eleini mid Chnächten und Mägd
i Huus und Hof witer z gutschiere. Aber gly heds müese
gseh, as das ohni ne starki Hang nid goht. Jungi und ordligi
Ritter vo de Schlössere zäntume im Land hei im Fräulein
Hedwig der Reveränz gmacht, aber es hed keine nume nöcher
agluegt. Es hed en Edelchnächt, e bstangne Maa, agstellt
für s Schlossguet wider id Fason z chläpfe. Das hed
dää verstangen usem äfäf, soo as gly wider
alls gloffen isch wi am Schnüerli. So froh ischs Fräulein
Hedwig gsi drüber, ass derno us luter Dankbarkeit dä
alt Maa ghürote hed. Er häd jo guet si Vatter, oder
fast der Grossvatter chöne sy, aber das hed ihns im Augeblick
nid gstört.
Gly druf isch der Junker Heinrich vo Balm als stolze Ritter
us der Fröndi zrugg choo. Mid däm hed d Hedwig vo
Hopperste nümme grächned gha. Jetz hed für si
di ganzi Wält es angers Gsicht überchoo. Si hed kei
Gwalt me gha über ihres Härz; das isch im Gspane us
der Chinderzit ergäge gfloge wines Vögeli us der Chreezen
id Freiheit. Aber si isch jo bunge gsi, durs eigede Wort bunge
ane alte Maa, wo nume Sinn gha hed für Gäld und Gschäft.
Der Hedwig ihre Abguu vor ihrem Maa isch gwachse vo Ta zu Tag.
Si hed en afo hassen und verwünsche wi ne höchi Muur
vor ihrem Glück.
Im Junker Heinrich heds e Stich is Härz gee, wone sis Gspänli
soo atroffe hed. I dene Johre i der Fröndi hed er d Hedwig
nie vergässe gha und nid mögen e warte, bis er sen
als sis Brütli chönn heifüere. Er weer grad wider
uf und dervoo gritte, wenn em Hedwig nid gar grüsli aghalte
häd, er söll ere das nid atue und no chli blybe. Das
isch nid guet gsi. Di zweu hei nanger mid jedem Tag lieber übercho
und drüber Rächt und Pflicht vergässe.
Es hed nümm so chönne witergoo. Drum hed Frau Hedwig
en uvernünftige, böse Plan usbrueted, für die
Muur vor ihrem Glück abzbräche. S wöll es Liecht
vors Turmfänster stelle, as der Junker im Alte ne Pfyl
is Härz chönn schicke. Midem wysse Tuech gäb
si nem es Zeiche, wenn er guet troffe heig. - Nei, für
ne Mord isch der Heinrich v Balm nid z haa gsi. Mänge Tag
hed er ekei Fuess me uf Hoppersten übere gsetzt. Aber er
isch gsi wi banned. Inere chalte Jännernacht, woner ohni
zwölle wider vorem Schlössli stoht und s Liecht gseh
flämmle, rysst er d Pfylbüchs ufe - und s Unglück
isch gscheh. S Flämmli isch glösche. Der Ritter Heinrich
isch gstange wi agnagled und hed d Auge id Feisteri bohred.
Erst notisnoo hed er begriffe was er agstellt heig und as er
jetz doch zum Mörder worde sig. A der nöchste Tanne
hed er si Pfylbüchs z Schmurzen und Fätze verschlage
und isch dervoo gstürmt, heizue. No i der gliche Nacht
hed er si Bünteli gschnüered und s Ross gsattled.
Wo bi de erste Tagheiteri ufem Turm z Hoppersten ähne ne
wysses Tüechli gfäckled hed, isch er dervoo gritte
ohni no einisch umezluege.
Es paar Tag druf isch di jungi Wittfrau uf Balm übere gritte,
will si nid gwüsst hed, was midem Junker Heinrich los sig,
as er si nie zeigi. «Er isch zu Kaiser gritte»;
hed si dört vernoo. «Ufeme Chrüzzug wott er
go büesse, was dir beidi gfehlt heit!» D Bscheid
isch zvill gsi für d Frau Hedwig. Si isch use und dervoo
gstürmt. «Ee bi gschuld! Ee bi gschuld!» hed
me se nacheme Wyli kööre rüefe, de Felsen obenabe.
Der Heer vo Balm und sin Chnächte si di armi, verzwifledi
Frau Hedwig go sueche. Si hei sen aber erst am angere Morg gfunge,
zfuessede vonere Felswand, chalt und tot. Niemer hed chöne
säge, öb si ne Fehltritt too heig oder öb ne
loose Chalchstei unger ihrem Fuess ab grütscht isch und
se mitgrisse hed. Gly druf isch Greed gange, landuf, landab,
es sig unghürig im Schlössli z Hopperste; der Geist
vo der Frau Hed wig göi um. Vo Chammere zu Chammere köör
m se goo und rüefe: «Ee bi gschuld! Ee bi gschuld!»
S träg es Tüechli i der Hang und wink dermit zu allne
Fäisteren us. Chnächten und Mägd si uszoge, und
niermer hed me troued i däm Gspänsterturm z wohne.
Drum isch er mit der Zyt verlottered und zämetrooled.
Der Heinrich vo Balm isch nie me i si Heimet zrugg cho. Uf eme
Chrüzzug hed er si doppledi Schuld midem Läbe büesst.
Aber au sy Seel hed schints di ewigi Ruei nid gfunge. Jedesmol
am 10. Jänner, wenn si d Mordnacht wider jehred, gsäi
teil Lüt zwee Schätte de Balmflüene noche stryche.
Eine isch bluetig rot und der anger gstrymig grau. Es gseht
us, wi wenn si nanger deede sueche und doch nid chönte
finge. Derzwüsche köört men eisder wider der
Hedwig vo Hoppersten ihre verzwyfled Ruef: «Ee bi gschuld!
Ee bi gschuld!»
S Heereloch und der Rotsheer
Balm Rüttenen Solothurn Oberdorf
Quelle: Elisabeth Pfluger, Solothurner
Sagen, 95
Der Joggi Alemaa und si Sohn,
der Peter, si zerst im Chuchigrabe gwohnt, äb si uf dä
gross, schön Rotsheerehof z Oberrüttene choo si. Aber
d Näme Chuchijoggi und Chuchipeter sine glich blibe.
Wo d Franzosen am 2. Merz 1798 z Soledurn ymarschiert si, hed
ihre General Schaueburg sofort d Regierig abgsetzt und di wichtige
Schriften und d Staatskasse versigled. Druf hed er föif
vo de gachtetste abgsetzte Regierigsmanne und Franzosefinde
verhafted und als Geisle nach Frankrich ab spediert. Däwäg
hed vo den alte Soledurner niemer me troued der Chopf ufzhaa.
D Waffe, Läbesmittel und Gäld hei si als Chriegstribut
ihrne "Befreier" müesen ablifere.
Derno isch duregsickered, d Franzose welle no einisch Geisle
verhafte, as si d Schrube noo besser chönen azie. Dene
gfährdede Rotsheere isch das hingedure z Ohre choo. Und
will si vernoo hei, uf däm abglägne Hof bim Chuchipeter
z Rüttenen obe sige keini Franzosen yquartiert, sy si dört
ufe gflüchted.
Aber Blybis hei si nid gha, süst weers ne zant dene Buurelüt
a Chrage gange. Der Chuchipeter isch mit dene Heere zum Balmfluechöpfli
ufe gstige. Dört isch grad ungedraa nes Loch mid ere Höhli,
wo niemer fingt, wos nid gnau weiss. Au mues me zimli schwindelfrei
sy, wenn me wod derzue chläderen und ystige.
I däm Loch hei si jetz die Rotsheere versteckt und ygrichted
mid Deckene und Cherzeliecht, Wasser, Wy, Rauchfleisch und Brot.
All anger Tag, wenns ömel gäbig gangen isch, hed ne
der Chuchipeter wider s Nötigste zuetreit und di wichtigste
Neuigkeite brichted. Statt vo dene gflüchtede Aristokrate
si do am 9. Abrelle feuf angeri alti Rotsheere verhafted und
abtransportiert worde. Es paar Tag druf heis die Manne gwogt,
us däm füechte, chalte Loch z styge und wider zu ihrne
Lüten id Stadt abe z choo. Aber ihri Höhli ungerem
Balmfluechöpfli hed bis ufe hütig Tag der Name Heereloch
bhalte. Und im Hof, wo der Peter Alemaa denn druff gsi isch,
seit me zidhär der Rotsheerehof.
Das hed aber none angeri Bedütig. Die Soledurner Patrizier
heis im Chuchipeter nid vergässe, was er für se too
hed. Wo si i der Restaurationszit ane 1814 wider as Rueder choo
si, hei si ihre Retter, der Peter Josef Alemaa, als Grossrot
ufne Sässel glüpft. Däm neue Rotsheer isch die
Ehr gar nid schlächt ag stange. Glächerig isch ume
gsi, as teil Lüt gmeint hei, me säg em soo, will er
roti Hoor heig. No hüt gids Rüttener, wo bhaupte,
alli Bueben und Meitschi im Dorf, wo roti Hoor heige, stamme
vom Rotsheer Alemaa ab.
S Scheidwägechrüz
Hubersdorf Flumenthal Balm
Quelle: Elisabeth Pfluger, Solothurner
Sagen, 156
Weme vo Hopperste gäge Flumetal
zue goht, stoht dört imene Gartenegge, inere Wäggablen
inn, es arig gformeds Steichrüz.'Uf ere Tafelen i der Mitti
isch e Chrüzgruppe gmoled und die isch vomene Ysegitter
gschützt. D Johrzahl 1774 isch ygmeissled, aber es wird
verzellt, dört sig scho vill früener eisder es Chrüz
gstange.
D Ritter vo Balm hei i ihrer Herrschaft e Chilche welle boue.
Nach langem Bsinne und Berote hei si der Platz bi de Scheidwäge
als Chilcheplatz bestimmt. Si hei lo grabe und di erste Fueder
Stei dörthäre lo füere. Aber do hei Nacht für
Nacht unsichtbari Geister die Boustei uf Flumetal gfüert,
a Rand vom Herrschaftsgebiet. Schliesslig hei d Heere vo Balm
doch agnoo, das sig e Wink vom Himel und hei die Peter- und
Paulichilche statt z Hopperste z Flumetal lo boue. De Hopperster
zum Trost hei si do bi de Scheidwäge nes schöns Chrüz
lo häresetze. Langi Zit isch näb däm Scheidwägechrüz
no ne grosse Steiblock gläge. Dä sig schynts de Geister
z schwer gsi, für uf Flumetal z fergge.
Der Senn ufem Chrütlibärg
Balm Welschenrohr
Quelle: Elisabeth Pfluger, 223
Wenn me vo der Balmbärghöchi
hingenabe goht, chunnt me dure Wald uf ne schmali, längzogni
Bärgweid. Das isch der Chrütlibärg. Einisch isch
dört ganz e ruchhöörige Cholderi als Senn druff
gsi, der Chueri. Er hed mit de Lüte keis vernünftigs
Wort gredt und no weniger mit der Waar. Einisch hed er im Geechzorn
sogar es grossträgeds Rind gschlage midem umgchehrte Geislestäcke.
Drüberabe hed das arme Tier verwängt. Vo dört
ewägg isch ufs Chueris Arbed gar kei Säge me gsi.
Är sälber hed afo mudere und särble und isch
nangernoo us de Chleidere gheit. Ekeis Halbjohr spöter
isch der Chueri gstorben im Spital z Soledurn.
Aber im Chueri si Geist fingt no hüt di ewigi Ruei nid.
I gwüssne Nächte fahrt er d Risi uuf z Weid mit sine
Chüene. D Geisle chlöpft und me köört s
Härdeglüt, d Treicheli vo de Gusti und di mittleren
und teufe Glogge vo de Rinder und Chüe. Soo füert
der ChuerisiganzZugufsBödeliufe.Willmena ernüt dervo
gseht, ume köört, hed no niemer der Chueri chöne
ahaue und froge, wime ne chönt erlöse.
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